Murmillo-Archiv

Mittwoch, 15. Mai 2013

DIE "CANABAE": TEIL 2 (VON LEGIONÄREN UND SCHÖNEN TÖCHTERN)

Um im römischen Heer aufgenommen zu werden, bedurfte es verschiedener Voraussetzungen: So mußte man z. B. lesen und schreiben können, da es wichtig war, schriftliche Befehle befolgen zu können. Doch eine Sache war ganz besonders wichtig: Man mußte Junggeselle sein! Außerdem mußte man bereit sein, dies 25 Dienstjahre lang zu bleiben. (Autsch!) Für viele sicher nicht ganz einfach, andere wird es nicht "gekratzt" haben: No woman, no cry. Und schließlich gab es ja noch den Wirt in der "CANABAE" (im Lagerdorf) und der hatte gewiß eine schöne Tochter...
Doch die Zeiten änderten sich: Tempora mutantur...wie wir Lateiner sagen.
Hören wir, was Mister JUNKELMANN dazu schreibt:
"Als die Strategie im Laufe des 1. Jahrhunderts n. Chr. immer deutlicher in die Defensive umschlug und die einzelnen Einheiten sich langfristig in ihren Standorten einzurichten begannen, änderten sich die Voraussetzungen für den militärischen Zölibat. Vor den Lagern entstanden Zivilsiedlungen, intensivere Kontakte mit der Bevölkerung ließen sich im jahrzehntelangen friedlichen Nebeneinander nicht vermeiden. Hieraus entwickelten sich nicht nur vorübergehende sexuelle Abenteuer mit Frauen zweifelhaften Rufs, sondern auch länger dauernde, feste Beziehungen eheähnlichen Charakters. Das setzte, wie von der Armeeführung befürchtet, die Mobilität der Truppe herab."
M. JUNKELMANN: DIE LEGIONEN DES AUGUSTUS, Mainz am Rhein 1986 (Verlag Philipp von Zabern), S. 143 f.
R. PÖRTNER drückt die Sache auf amüsante Art aus, indem er von "dauerhaftem Beweibtsein" spricht:
"Der Soldat aß und schlief zwar weiterhin in der Kaserne, doch war ihm erlaubt, außerhalb der Festung einen Hausstand zu gründen. Zu diesem Zweck erkannte er eine CONTUBERNALIS, das heißt Genossin, genannte Frau-meist heimischen Geblüts-als die seine an, baute ihr eine Hütte, versorgte sie mit dem Notwendigsten und zeugte mit ihr viele Kinder, womit zugleich der Nachwuchs für die Legionen des Imperiums gesichert war."
(So einfach ist das!)
R. PÖRTNER: MIT DEM FAHRSTUHL IN DIE RÖMERZEIT, Gütersloh, 1987 (Prisma Verlag), S. 75.
Und PÖRTNER fährt fort:
"Schied er später aus dem Dienst aus, wurde seine Soldatenehe öffentlich legitimiert und mit dem Segen des fernen obersten Kriegsherrn ausgestattet.
Der Soldat pflegte sich dann in einen schlichten Handwerksmann zu verwandeln. Denn diese Lagervorstädte waren ja nicht nur das Sündenbabel der Legionäre, sondern vielfach auch der stille Hafen, in den sie am Ende ihrer militärischen Karriere einliefen, um sich einem bürgerlichen Beruf zuzuwenden."
PÖRTNER, S. 75.
Was für ein Abstieg! Eben noch ein "hero", jetzt Pantoffelheld und Handwerksmann. SIC TRANSIT GLORIA MUNDI...wie wir Lateiner sagen (s.o.)
Die Filiusse aus illegalen Konkubinaten bekamen laut JUNKELANN übrigens nur das Bürgerrecht, wenn sie auch Soldat wurden. So erscheine auch häufig auf Inschriften als Herkunfstort "CASTRIS" (=aus dem Lager). Man kann sich an drei Fingern abzählen, was das ist und was  da dermaleinst gelaufen ist. Ganz korrekt wäre, so JUNKELMANN, allerdings die Bezeichnung "CANABAE" (abl. canabis), da im Lager keine Frauen wohnen durften. Viele dieser Rekruten bekamen daher den Namen "SPURIUS" verpaßt. Die Abkürzung dieses "praenomen"  "Sp." entspricht zufällig exakt der Abkürzung "s.p."=sine patre=ohne Vater, also illegitim gezeugt. (Nett! Schon damals herrschte beim Barras der "AKÜFI"=Abkürzungsfimmel!)
s. JUNKELMANN, S. 106.
Folgende Szene könnte sich damals abgespielt haben:
-Salvus sis, Spuri! Quo vadis?
(Sei gegrüßt, Spurius! Wohin gehst du?)
-Salve tu quoque, bone vir! Primum ad thermas, deinde ad thermopolium, tum...nescio... postremo ad tabernam.
(Sei auch du gegrüßt, mein Lieber. Zuerst zu den Bädern, darauf zum Café, dann...weiß nicht...schließlich in die Kneipe (in das Wirtshaus).
-Optime! Te sequar (te comitabor).
(Bestens! Ich werd dir folgen (dich begleiten)
-Cauponi filia amabilis est.
-Der Wirt hat eine leibreizende Tochter.
-Estne illa flava?
(Ist es diese Blonde?)
-Sic est.
(Ja.)
-Estne contubernalis tua?
(Deine Freundin?)
Hoc dei sciunt.
(Das wissen die Götter.)
---
by
The SIR



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen