Murmillo-Archiv

Dienstag, 15. April 2014

MTC: DE RE PUBLICA VI, 18: DIE SPHÄRENHARMONIE

Quae cum intuerer stupens (als ich dies staunend betrachtete), ut me recepi (wie; sobald ich mich faßte), 'quid hic (was ist hier)', inquam (sagte ich), 'quis est (wer ist; was ist) qui complet aures meas (der meine Ohren erfüllt) tantus et tam dulcis sonus (dieser so große und so süße Ton; was ist das für ein...)?' 'Hic est (Dieser ist)', inquit (sagte er), 'ille (jener), qui intervallis disiunctus inparibus (der durch ungleiche Zwischenräume; Intervalle getrennt), sed tamen (aber dennoch) pro rata parte ("für einen bestimmten (berechneten) Teil"=verhältnismäßig; in bestimmtem Verhältnis) ratione distinctis (durch Vernunft=in gesetzmäßig verschiedenen; bezogen auf "Intervalle"), impulsu et motu ipsorum orbium efficitur (durch den Anstoß und die Bewegung der Kreisbahnen (der Planeten) selbst bewirkt wird), et acuta cum gravibus temperans (helle mit tiefen (Tönen) mischend) varios aequabiliter concentus efficit (verschiedene Harmonien gleichmäßig hervorbringt); nec enim silentio (denn nicht in der Stille) tanti motus incitari possunt (können so große Bewegungen angetrieben werden), et natura fert (und die Natur bringt es mit sich; es entspricht dem Naturgesetz; E. Römisch; Hirschgrabenverlag), ut extrema ex altera parte graviter (das die äußersten (Töne) auf der einen Seite tief), ex altera autem acute sonent (auf der anderen Seite aber hoch klingen). Quam ob causam (Aus diesem Grung; daher) summus ille caeli stellifer cursus (jene höchste sterntragende Bahn=der Fixsternhimmel), cuius conversio est concitatior (dessen Umdrehung beschleunigter ist), acuto et excitato movetur sono (bewegt sich durch einen hellen und schrillen Ton), gravissimo autem (mit einem sehr tiefen aber) hic lunaris atque infimus (diese "lunare" (=die des Mondes) und unterste (Bahn); nam terra (die Erde nämlich) nona (als neunte) immobilis manens (unbeweglich bleibend) una sede semper haeret ("hängt" immer an einem Sitz; befindet sich immer an einem Ort), complexa medium mundi locum ("umfassend"=einnehmend den mittleren Ort der Welt; die Mitte). Illi autem octo cursus (Jene acht Bahnen aber), in quibus eadem vis est duorum ("bei denen dieselbe Kraft ist zweier"; von denen zwei dieselbe Kraft haben), septem efficiunt distinctos intervallis sonos (bringen sieben durch Intervalle geschiedene Töne hervor), qui numerus (welche Zahl) rerum omnium fere nodus est ("der Knoten" fast aller Dinge ist; das Band, das die Welt umschließt; sundesmos; E. Römisch); quod (dies) docti homines (gelehrte Männer) nervis imitati atque cantibus (durch Saiten imitierend; nachahmend; und durch Gesänge) aperuerunt sibi (eröffneten sich; erschlossen sich; Reclam) reditum in hunc locum (die Rückkehr zu diesem Ort), sicut alii (sowie andere), qui praestantibus ingeniis (durch hervorragende Begabungen) in vita humana (im menschlichen Leben) divina studia coluerunt (göttliche Studien (wissenschaftliche Beschäftigung) pflegten).
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dulcis sonus: die Theorie stammt ursprünglich von Pythagoras; wo der sie her hat, weiß kein Mensch.
Jeder Planet ist verschieden schnell. Ergo hat er auch einen eigenen Ton. Dennoch geschieht dies alles nach Maß und Proportion, so daß eine Sphärenmusik entsteht. Es gibt sieben Planeten; sieben Saiten hat die Kithara. Kein Zufall! Merkur und Venus haben dieselbe Geschwindigkeit, daher haben sie auch denselben Ton (Macrobius). Pythagoras entdeckte auch, daß je nach Saitenlänge ein anderer Ton herauskommt, was sich in Zahlenverhältnissen ausdrücken läßt! Es besteht also eine Parallele der Musik zum Kosmos. Wer daher Musik betreibt, erhebt sich damit in kosmische Dimensionen!
Die Sphärenharmonie hat noch kein  Sterblicher jemals gehört. Leider müssen wir jeden Tag "Sprechgesang" im Radio hören. Wir haben uns die Sphärenmusik als totale Antithese dessen vorzustellen.
terra...immobilis: die Erde steht still, alles andere ist Haeresie und ein Fall für die heilige Inquisition; wie sagte schon M. Python's: Nobody expects the Spanish Inquisition.
Während die Erde "immobilis" ist, sind einige Frauen eher "mobilis" als "nobilis".
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Quelle: Cicero: Phil. Schriften; B. Erläuterungen, Hirschgraben-Verlag, Frankfurt a. M. 1974.
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Ende!

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