Murmillo-Archiv

Dienstag, 18. Oktober 2016

10 BEUTEL BANANENSAFT UND 600 FLASCHEN VIN ROUGE!

Als ich heute morgen das Fenster öffnete, was man mit äußerster Vorsicht tun sollte, weil die Dämonen der letzten Nacht noch unterwegs sein könnten, standen da auf dem Fenstersims-wie aus dem Nichts materialisiert-10 wunderschöne Beutel meines geliebten Bananensaftes, wofür ich mich nicht genug bedanken kann.
Dabei mußte ich, wie wunderlich sind doch die Assoziationen, an jene Geschichte des Knochenfundes des deutschen Gelehrten und Garnisonschirurgen HOFFMANN denken. Wir schreiben das Jahr 1780. HOFFMANN stöbert zufällig in den Kreidegalerien des Petersberges bei Maastricht herum und findet ebenfalls mehr oder weniger zufällig einen riesigen Schädel. Selbiger (nicht Hoffmann) ragte aus der Wand eines Kreidestollens. Das urzeitliche "Urviech", ein veritables Schreckenstier vor dem Herrn, sorgte allenthalben für große Verblüffung. Waren die alten Drachensagen doch Wirklichkeit? (Hatte es gar unser aller Nibelungenheld Siegfried mit so etwas zu tun gehabt?-Anm. d. Verf.). Doch HOFFMANN, ganz Gelehrter, und daher sachlich konstatierte kühl: Das ist ein Reptil (also so etwas wie meine fetten Nachbarinnen, bloß nicht ganz so schrecklich!-Anm. d. Verf.). Dieses mußte wahrhaft riesige Ausmaße gehabt haben (eben wie meine Nachbarinnen). HOFFMANN traf nun einen Entschluß: Das Urvieh gehört ins Museum, wo Urviecher dieser Couleur gemeinhin ihr Dasein zu fristen pflegen. Alles wäre so schön gelaufen, wenn da nicht ein gewisser GODIN gewesen wäre, dem der Steinbruch gehörte. Aber GODIN war doch Kanonikus und Pfarrer, ein Mann Gottes, von dem war doch nichts zu befürchten! Oder etwa doch?-Kurzum: HOFFMANN ließ das Monstrum aus der Wand holen und schaffte es nach Haarlem. Dort war die Gelehrtenwelt "beim Anblick des Riesenreptils wie vom Donner gerührt". Das Urvieh wurde auf den Namen "MOSASAURUS" (Maas-Echse) getauft. Doch HOFFMANN hatte seine Rechnung ohne GODIN gemacht. Der entpuppte sich als gewinngeiler Pfaffe und erwirkte, daß HOFFMANN den Schädel zähneknirschend rausrücken mußte. HERBERT WENDT schreibt:
"Fortan hielt Godin den Saurier sorgfältig unter Verschluß und ließ keinen Forscher mehr heran. Hoffmann starb bald darauf, wie es heißt aus Gram über den Verlust des epochemachenden Untiers."
Und GODIN schwieg wie ein Grab. 15 Jahre später studierte CUVIER die Akten. Zu dieser Zeit rückten die Truppen der französischen Armee auf Maastricht zu. CUVIER witterte seine Chance. Er bat den "Volksrepräsentanten" FREICINE, den Schädel zu beschlagnahmen. Doch Geheimniskrämer GODIN war schneller und versteckte den Schädel an geheimem Orte. Also filzten die Revolutionstruppen sein Haus "vom Keller bis zum Dachboden, fanden nichts und fluchten gewaltig." FREICINE ließ daher seine Soldaten die ganze Stadt durchkämmen und setzte auf den Saurierkopf eine Belohnung von 600 FLASCHEN WEIN aus!
"...am nächsten Morgen in der Frühe schleppten zwölf Grenadiere triumphierend den Schädel heran, empfingen ihre sechshundert Flaschen Wein und tranken unter Gesang und Gelächter auf das Wohl des alten Sauriers."
Der Wein wurde übrigens von der Republik Frankreich bezahlt.
---
Vive la France, vive la Republique!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen