Murmillo-Archiv

Montag, 22. Juli 2013

GROSSE MÄNNER DER ALTERTUMSWISSENSCHAFT: LUDWIG LINDENSCHMIT (VATER), EIN DEUTSCHER GELEHRTER

LUDWIG LINDENSCHMIT war ein grundgelehrter Mann. Ursprünglich war er Zeichenlehrer, doch scheint es ihm nicht genügt zu haben, schöne Bildchen zu malen. "Seine patriotische Geschichtsbegeisterung" (Pörtner) zog ihn zu den Altertumswissenschaften hin. "Aus seiner Liebe zur vaterländischen Sagenwelt" (so Pörtner) enstand  z.B. sein Werk "Veleda und Drusus".
Seine Großtat: das Römisch-Germanische Zentralmuseum!
LINDENSCHMIT entwickelte auch die Technik der Nachbildungen antiker Kunstwerke.
1841/ 42: Gründung des "Vereins zur Erforschung der rheinischen Geschichte": LINDENSCHMIT wird Konservator des Vereins, ehrenamtlich versteht sich! Dann: erste Grabungen.
Dazu PÖRTNER:
"So galt der kleine Mainzer Schulmeister, seiner Besoldung nach kaum mehr als ein armer Teufel, in der Fachwelt bereits als geschätzte Kapazität..."
LINDENSCHMIT hatte die Idee, die wichtigsten Bodenfunde zu vereinigen. LINDENSCHMIT hatte viele gute Ideen, aber kein Geld. Manche haben Geld, aber keine Ideen oder (falls doch) zumeist schlechte.
Es scheint, daß LINDENSCHMIT (ganz Gelehrter) zu Geld ein eher indifferentes Verhältnis hatte, denn er blieb als Museumsleiter ganze 20 Jahre unbesoldet!! Stramme Leistung!
LINDENSCHMIT war ein Besessener: Jeden Morgen vor Schulbeginn war er im Museum, nachmittags auch und in den Ferien sowieso. Sonntags bemalte er Gipsabgüsse im Keller. Familienleben: gleich null!
Dazu der damalige Präparator:
"Wenn ich so leben müßte wie unser verehrter Herr Professor, würde ich mir eine Kugel vor den Kopf schießen." (s. Pörtner).
Schließlich wurde ihm doch eine Ehrung zuteil (allerdings eine etwas fragwürdige): LINDENSCHMIT wurde von NAPOLEON III. eingeladen! Dieser hatte ein Cäsar-Biographie geschrieben sowie Abhandlungen über Ausgrabungen in Alesia. Der Kaiser wurde auf LINDENSCHMIT aufmerksam durch dessen Studie über den römischen Wurfspeer.
PÖRTNER beschreibt die Szenerie wie fogt:
"Die Unterhaltung geriet alsbald ins fachliche Fahrwasser und wurde nur einmal unterbrochen. Ein livrierter Diener trat ein und servierte dem Kaiser auf silbernem Tablett ein gebratenes Täubchen. Der nahm das köstlich duftende Meisterwerk wohlgefällig zur Kenntnis, begnügte sich jedoch mit der delikaten Füllung des zarten Vogels-einer Füllung, die vielleicht mehr gekostet hatte, als der Haushalt des deutschen Gelehrten während einer ganzen Woche beanspruchte."
Von diesem Zeitpunkt an wurde LINDENSCHMIT mit Ehrungen geradezu überhäuft. Es hagelte förmlich Medaillen (Ritterkreuz der Ehrenlegion etc.)
1893: LINDENSCHMIT stirbt "nach einem glücklichen und erfüllten Lebensabend".
PÖRTNER schließt seine Beschreibung mit diesen nachdenklichen wie gedankenschwangeren Sätzen:
"Nie aber hat Ludwig Lindenschmit-Sohn den Tag vergessen, an dem die Mutter von einem Fenster ihrer Wohnung aus das nahe gelegene Museum betrachtend, leise den schmerzlichen Satz aussprach: 'Da drüben liegt viel Lebensfreude begraben...'
Ein kleiner schwerbefrachteter Satz. Schicksalsmotiv eines DEUTSCHEN GELEHRTENLEBENS."
(PÖRTNER: MIT DEM FAHRSTUHL IN DIE RÖMERZEIT, Kap. 6.)
(Viele Gelehrte wie Lindenschmit haben sich oft ein Leben lang redlich um die Wissenschaft bemüht, ohne auf Entlohnung achtend, oft wenig beachtet und heute fast völlig vergessen. Nicht selten lebten diese in kärglichen Verhältnissen. Zu allen Zeiten war es so, daß Männer des Geistes viel zu spät wahrgenommen wurden (man denke nur an Schopenhauer oder Nietzsche). Das kommt daher, daß die breite Masse immer die falschen Leute beachtet (wie z.B. die rettungslos überschätzte Spezies der Schmierenkomödianten u. ä. Ausgeburten der Unkultur.
Doch nicht alle Archäologen waren abgebrannt und pleite. Prominentes Gegenbeispiel und Prototyp des "Spatenwissenschaftlers" ist die Figur des SIR DAVD LINDSAY aus KARL MAY. Dieser, ein LORD aus OLD ENGLAND, sucht Abenteuer und "fowlingbulls" (Flügelstiere). Sein Motto: Zahle gut, scherze nie! Wie gut, daß es Originale gibt und nicht nur Langweiler!)
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R.

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